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Schwerbehinderung

- Grad der Behinderung

An dieser Stelle wollen wir uns mit der ‚Schwerbehinderung‘ befassen. Es ist ein sehr sensibles Thema und bedarf einer genaueren Betrachtung. So war es schon nicht einfach, ein passendes Beitragsbild zu finden.
Die meisten Menschen assoziieren mit einer Behinderung fast automatisch einen Rollstuhl. Doch das wird den vielen Menschen mit Handicap nicht gerecht. Denn eine Behinderung kann zwar einen Rollstuhl bedeuten, sie muss das aber nicht. Denn in Deutschland sind rund 18 % der Menschen mit einer anerkannten Schwerbehinderung auf einen Rollstuhl angewiesen. Dies entspricht einem Anteil von 1,8 % an der Gesamtbevölkerung im Land. Das bedeutet, dass 82 % der Menschen mit einer Schwerbehinderung nicht auf einen Rollstuhl angewiesen sind. 
Und da wir schon dabei sind, klären wir direkt auch noch ein weiteres Missverständnis auf. In der Bundesrepublik verwendet man seit geraumer Zeit den Begriff ‚Grad der Behinderung‘ und nicht mehr ‚Schwerbehinderung‘. Wir verwenden aber wegen der besseren Lesbarkeit beide Begrifflichkeiten. Gemeint ist aber in allen Fällen, die korrekte Terminologie ‚Grad der Behinderung‘.

Definition von Schwerbehinderung/Grad der Behinderung

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„Menschen mit Behinderungen sind Menschen, die körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, die sie in Wechselwirkung mit einstellungs- und umweltbedingten Barrieren an der gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate hindern können.
Sozialgesetzbuch Neuntes Buch – Rehabilitation und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen – (Artikel 1 des Gesetzes v. 23. Dezember 2016, BGBl. I S. 3234) (Neuntes Buch Sozialgesetzbuch – SGB IX)

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Eine Behinderung liegt also vor, wenn eine Person über längere Zeit nicht wie Personen ohne Handicap an der Gesellschaft teilhaben kann. In Deutschland leben aktuell rund 10 Millionen Menschen, auf die diese Definition zutrifft. Etwa 7,5 Millionen dieser gelten als schwerbehindert. 

Um die Einstufung in unterschiedliche Schweregrade zu ermöglichen und gleichzeitig eine standardisierte, einheitliche Beurteilung deutschlandweit zu gewährleisten, wurde die umgangssprachlich verwendeten ‚Prozente‘ eingeführt. So können einem bestimmten Handicap festgelegte Prozentpunkte zugeordnet werden. Die Gesamtzahl der Prozentpunkte ergibt dann den Grad der Behinderung, der zwischen zwanzig und einhundert Prozent liegt. Bei einem Prozentwert von unter zwanzig Prozent liegt keine Behinderung vor und der Antrag auf ‚GdB‘ (Grad der Behinderung) wird abgelehnt. Ab zwanzig Prozent wird der festgestellte GdB anerkannt. 

 

Berechnung des Gesamt GsS

Vielfach herrscht der Irrglaube vor, dass man bei mehreren Einschränkungen lediglich die einzelnen GdS aufaddieren muss. 
Ein Beispiel (ohne Bezug zur Realität): Eine Person hat einen Unfall und ist dadurch querschnittsgelähmt, was einen GdS von 40 zur Folge hätte. Kurze Zeit später muss dieser Person auch noch ein Bein amputiert werden, was mit 30 Prozent bewertet würde. Landläufig gehen Viele davon aus, dass dieser Mensch nun einen GdB von 70% (aus der Addition von 40 und 30 Prozent) hat. Dies ist aber falsch. Da die Querschnittslähmung verhindert, dass die Person gehen kann, wird die Gehbeeinträchtung durch den Verlust des Beindes nicht berücksichtigt. Es bleibt beim GdB von 40. 
Bitte beachten sie, dass dies Beispiel lediglich zur Erklärung gedacht ist und nicht tatsächlichen Werten entspricht.

Den genauen Wortlaut des Gesetztestext können sie im folgenden Abschnitt nachlesen.

Gesamt-GdS
a) Liegen mehrere Funktionsbeeinträchtigungen vor, so sind zwar Einzel-GdS anzugeben; bei der Ermittlung des Gesamt-GdS durch alle Funktionsbeeinträchtigungen dürfen jedoch die einzelnen Werte nicht addiert werden. Auch
andere Rechenmethoden sind für die Bildung eines Gesamt-GdS ungeeignet. Maßgebend sind die Auswirkungen der einzelnen Funktionsbeeinträchtigungen in ihrer Gesamtheit unter Berücksichtigung ihrer wechselseitigen Beziehungen zueinander.
b) Bei der Gesamtwürdigung der verschiedenen Funktionsbeeinträchtigungen sind unter Berücksichtigung aller sozialmedizinischen Erfahrungen Vergleiche mit Gesundheitsschäden anzustellen, zu denen in der Tabelle feste GdS-Werte angegeben sind.
c) Bei der Beurteilung des Gesamt-GdS ist in der Regel von der Funktionsbeeinträchtigung auszugehen, die den höchsten Einzel-GdS bedingt, und dann im Hinblick auf alle weiteren Funktionsbeeinträchtigungen zu prüfen, ob und
inwieweit hierdurch das Ausmaß der Behinderung größer wird, ob also wegen der weiteren Funktions-Beeinträchtigungen dem ersten GdS 10 oder 20 oder mehr Punkte hinzuzufügen sind, um der Behinderung insgesamt gerecht zu werden.
d) Um die Auswirkungen der Funktions_Beeinträchtigungen in ihrer Gesamtheit unter Berücksichtigung ihrer wechselseitigen Beziehungen zueinander beurteilen zu können, muss aus der ärztlichen Gesamtschau heraus beachtet werden, dass die Beziehungen der Funktionsbeeinträchtigungen zueinander unterschiedlich sein können:
aa) Die Auswirkungen der einzelnen Funktionsbeeinträchtigungen können voneinander unabhängig sein und damit ganz verschiedene Bereiche im Ablauf des täglichen Lebens betreffen.
bb) Eine Funktionsbeeinträchtigung kann sich auf eine andere besonders nachteilig auswirken. Dies ist vor allem der Fall, wenn Funktionsbeeinträchtigungen an paarigen Gliedmaßen oder Organen – also z.B. an beiden Armen oder beiden Beinen oder beiden Nieren oder beiden Augen – vorliegen.
cc) Die Auswirkungen von Funktionsbeeinträchtigungen können sich überschneiden.
dd) Die Auswirkungen einer Funktionsbeeinträchtigung werden durch eine hinzutretende Gesundheitsstörung nicht verstärkt.
ee) Von Ausnahmefällen (z.B. hochgradige Schwerhörigkeit eines Ohres bei schwerer beidseitiger Einschränkung der Sehfähigkeit) abgesehen, führen zusätzliche leichte Gesundheitsstörungen, die nur einen GdS von 10 bedingen, nicht zu einer Zunahme des Ausmaßes der Gesamtbeeinträchtigung, auch nicht, wenn mehrere derartige leichte Gesundheitsstörungen nebeneinander bestehen. Auch bei leichten Funktionsbeeinträchtigungen mit einem GdS von 20 ist es vielfach nicht gerechtfertigt, auf eine wesentliche Zunahme des Ausmaßes der Behinderung zu schließen

Die Merkzeichen

Merkzeichen G –  Erhebliche Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr
In seiner Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr erheblich beeinträchtigt ist, wer infolge einer Einschränkung des Gehvermögens, auch durch innere Leiden,
oder infolge von Anfällen oder von Störungen der Orientierungsfähigkeit nicht ohne erhebliche Schwierigkeiten oder nicht ohne Gefahren für sich oder andere Wegstrecken im Ortsverkehr zurückzulegen vermag, die üblicherweise noch zu Fuß zurückgelegt werden

Merkzeichen aG – außergewöhnliche Gehbehinderung
Eine außergewöhnliche Gehbehinderung liegt vor, wenn eine ungewöhnlich starke Beeinträchtigung der Fall ist. Gewöhnlich erst ab GdB 80.

Merkzeichen H – Hilflosigkeit
Hilflos ist eine Person, die ständig Hilfe für ihre persönliche Existenz benötigen. 

Merkzeichen Bl – Blind
Personen, denen das Augenlicht fehlt, die nicht mehr als 1/50 Sehvermögen haben oder die deren Sehstärke den obigen gleichzusetzen ist.

Merkzeichen B – Berechtigung für eine ständige Begleitung
Eine Berechtigung für eine ständige Begleitung ist bei schwerbehinderten Menschen (bei denen die Voraussetzungen für die Merkzeichen „G“, „Gl“ oder
„H“ vorliegen) gegeben, die bei der Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln infolge ihrer Behinderung regelmäßig auf fremde Hilfe angewiesen sind.

Merkzeichen Gl – Gehörlosigkeit
Gehörlos sind nicht nur Hörbehinderte, bei denen Taubheit beiderseits vorliegt, sondern auch Hörbehinderte mit einer an Taubheit grenzenden Schwerhörigkeit beiderseits, wenn daneben schwere Sprachstörungen (schwer verständliche Lautsprache, geringer Sprachschatz) vorliegen. Das sind in der Regel Hörbehinderte, bei denen die an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit angeboren oder in der Kindheit erworben worden ist.

Merkzeichen TBI – Geringes Hör – und Sehvermögen
Personen mit einem GdB 70 Hören und GdB 100 Sehen

Merkzeichen 1.Kl – 1. Klasse
Fahrten in der 1. Klasse mit einem Fahrausweis der 2. KLasse

Nachteils-Ausgleich für Schwerbehinderte

Curas Info um Nachteilsausgleich

Nachteilsausgleich bedeutet im deutschen Sozialrecht nach § 209 SGB IX „Hilfen für behinderte Menschen zum Ausgleich behinderungsbedingter Nachteile oder Mehraufwendungen“

Behinderte Menschen haben durch ihr Handicap im Vergleich zu Personen ohne Beeinträchtigung einen erhöhten Aufwand im Alltag. Beispiele dafür sind höhere Kosten für Medikamente, die Pflege oder Hilfsmittel. Aus diesem Grund erhalten anerkannte Behinderte den so genannten Nachteilsausgleich in Abhängigkeit des Grades der Behinderung und eventuellen Merkzeichen.

Grundsätzlich aber gilt: Eine Schwerbehinderung im Sinne von § 2 Abs. 2 SGB IX liegt erst vor, wenn die betreffende Person einen GdB von mindestens 50% hat und der Wohnsitz, der gewöhnliche Aufenthalt oder die Beschäftigung liegen in Deutschland.
Besteht ein anerkannter GdB von weniger als 50 und mehr als 30, so kann die betreffende Person einem Schwerbehinderten gleichgestellt werden. Anträge für die Gleichstellung, die sich nur auf das Erwerbsleben beziehen, können bei der Agentur für Arbeit gestellt werden. 

Der Nachteilsausgleich im Detail nach Bereichen

Diese Ausgleiche für behinderte Menschen sollen helfen, die Nachteile, die Personen aufgrund ihres GdB haben, auszugleichen oder zumindest zu verkleinern. Bitte beachten sie als nicht behinderter Mensch, dass die folgenden ‚Vorteile‘ die Nachteile aus einer Behinderung niemals ausgleichen können.

Arbeit/Beruf

– Fünf zusätzliche Urlaubstage pro Jahr*
– Auf Antrag Freistellung von Mehrarbeit
– Verbesserter Kündigungsschutz
– Anspruch auf Teilzeit
– vorzeitige Altersrente 
*gilt nicht für Gleichgestellte nach § 151 Abs. 3 SGB IX

Mobilität

– Behindertenparkplätze
– Parkerleichterungen
– kostenloser ÖPNV
– Vergünstigungen bei der Deutschen Bahn AG
– Ausnahmen von Fahrverboten in Umweltzonen oder Dieselfahrzeuge

Steuern

– diverse Steuervorteile  nach § 33b EStG, § 9 Abs. EStG und § 3a Kraftfahrzeug-Steuergesetz
– Hundesteuer

Wohnen

– Freibeträge beim Wohngeld
– Freibetrag sozialer Wohnungsbau
– Barrierefreiheit

Kommunikation

– Befreiung/Kürzung der Rundfunkbeiträge
– Reduzierung Telefonanschluss-Gebühren
– kostenloser Versand von Blindensendungen

Sonstiges

– Pauschalen für Grundsicherung und Sozialhilfe
– Blindenhilfe des Bundes & Landesblindengeld
– Gehörlosengeld
– Kindergeld für erwachsene Behinderte

Die zuvor genannten Möglichkeiten zum Nachteilsausgleich sind nicht vollzählig. Nicht jede behinderte Person hat Anspruch auf die Vorteile. Diese sind unter Umständen abhängig von GdB und Merkzeichen. Einige müssen zusätzlich beantragt oder eingetragen werden. 

Übersicht über die GdS (Grad der Schädigungsfolgen)

In der folgenden PDF-Datei finden sie eine Auflistung aller GdS sortiert nach Körperbereichen zum Download. Bitte beachten sie, dass viele Angaben einen Bereich von – bis (z.B. 10-30) abbilden. Diese Spannen sind beabsichtigt und sollen den unterschiedlichen Gegebenheiten und den diversen Menschen Rechnung tragen. Die Bewertung des GdS ist immer eine spezielle, diese eine Person betreffende Entscheidung. 

Download
VersMedV – Verordnung zur Durchführung des § 1 Abs. 1 und 3, des § 30 Abs. 1 und des § 35 Abs. 1 des Bundesversorgungsgesetzes

Weitergehende Informationen finden Sie auch im Ratgeber zum Thema auf Fachanwalt.de