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Plötzlich Pflegefall

- wie geht's weiter?

Plötzlich Pflegefall, pflegebedürftig

Dank vieler Hilfen und Hilfsmittel können Seniorinnen und Senioren heute sehr lange ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden genießen.
Doch wenn die Seniorin/der Senior stürzt oder akut erkrankt, muss oftmals sehr schnell Hilfe für die Zeit nach der Akutbehandlung im Krankenhaus gefunden werden.  

Was muss beachtet, was vorbereitet und was geplant werden?

Sollte ein Angehöriger unerwartet pflegebedürftig werden, müssen einige Dinge beachtet werden. Da geht es letztlich nicht nur um die Frage, ob die Pflegebedürftigkeit kurzzeitig oder dauerhaft eingetreten ist.

Aber versuchen wir einmal, die Problematik an einem Beispiel aus der Praxis zu verdeutlichen. 

Unser Beispiel: Albert K.

Albert K. ist 88 Jahre alt und lebt seit dem frühen Tod seiner Ehefrau Emma alleine in seinem Häuschen an der Nordsee-Küste. 
Beim Reinigen der Dachrinne fällt Herr K. von der Leiter und muss mit dem Rettungswagen ins nahegelegen Krankenhaus gebracht werden. Dort diagnostiziert man mehrere Hämatome und einen Bruch des Beckens. 
Der Sohn von Albert, der am anderen Ende der Republik lebt, wird drei Tage später vom Sozialdienst des Krankenhauses über den Unfall informiert. Im selben Telefonat eröffnet ihm die Sozialarbeiterin, dass Albert K. nach der Entlassung nicht mehr in sein Haus zurück kann. Dies solle sehr wahrscheinlich sogar dauerhaft so sein. Selbst bei vollkommener Gesundung sei Herr K. ziemlich sicher nicht mehr in der Lage, sein Leben ohne fremde Hilfe zu führen. „Da muss eine Lösung bereitstehen, wenn ihr Vater übermorgen entlassen wird“ – so der Sozialdienst.

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Was nun?

K. Junior sieht sich vollkommen überfordert. Zum einen ist das dieser schreckliche Unfall seines Vaters, der noch viel schlimmer hätte ausgehen können und zum anderen ist nun zu klären, wie auf die Schnelle eine Lösung für des Vaters Probleme zu finden ist. 

Kurzzeitige Arbeitsverhinderung

Zu allererst muss sich der Sohn von Albert um die Freistellung von seinen beruflichen Pflichten kümmern. Denn die Aufgaben, die im Folgenden erläutert werden, sind nicht mit nur einem Telefonanruf

zu erledigen. Aber genau aus diesem Grund hat der Gesetzgeber auch die ‚Vereinbarkeit von Pflege und Beruf‘ in die ‚Leistungen der Pflegeversicherung‘ integriert. So haben nahe Angehörige die Möglichkeit, eine vernünftige Pflege zu organisieren, ohne finanziell und/oder beruflich Einbußen zu haben. Anspruch hat jeder Arbeitnehmer unabhängig von der Anzahl der Beschäftigten. Der Arbeitgeber muss der Freistellung zustimmen. Er darf aber ein ärztliches Attest über die voraussichtliche Dauer der Pflegebedürftigkeit verlangen. Während dieser Zeit bleibt der Schutz aus der Sozialversicherung bestehen. 

Um auch den finanziellen Schaden durch den Verdienstausfall abzufedern, erhält der Arbeitgeber das auf zehn Tage im Jahr befristete Pflegeunterstützungsgeld. Hierbei werden 90 bzw. 100 Prozent des ausgefallenen Netto-Arbeitsentgelts als Brutto-Pflegeunterstützungsgeld gezahlt. Diese Leistung wird von der Pflegekasse des Pflegebedürftigen erbracht und sollte umgehend beantragt werden. Hierfür wird auch ein ärztliches Attest über die voraussichtliche Dauer der Pflegebedürftig benötigt, welches mit dem Antrag eingereicht werden muss.

 

Wird die, bzw. der nahe Angehörige einer oder eines Beschäftigten akut pflegebedürftig, besteht das Recht, bis zu zehn Arbeitstage der Arbeit fernzubleiben, wenn dies erforderlich ist, um für die betroffene Person eine bedarfsgerechte Pflege zu organisieren oder eine pflegerische Versorgung in dieser Zeit sicherzustellen

Kurzeitpflege

Der Sohn von Albert hat nun die Zeit, sich um die Versorgung seines Vaters zu kümmern. Und da stellt sich nun die Frage, wie diese Versorgung zukünftig aussehen soll. Aber zunächst muss die Unterbringung des Vaters im Anschluss an den Krankenhausaufenthalt geregelt sein. Albert K. soll gut versorgt sein und dies muss schnell organisiert werden sowie auch bezahlbar sein. 
Der einfachste Weg ist dabei immer das Krankenhaus selbst. Manchmal behalten diese ein Pflegebedürftigen auch mal ein, zwei Tage länger bei sich. Das muss man vor Ort abklären. Oft geht das aber auch wegen Bettenknappheit nicht. Das Zauberwort für die pflegerische Versorgung in diesem Zusammenhang heißt ‚Kurzzeitpflege‘.

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Als Leistung der Pflegeversicherung kann die Kurzzeitpflege ab dem Pflegegrad 2 insbesondere dann in Anspruch genommen werden, wenn die häusliche Pflege zeitweise nicht, noch nicht oder nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden kann.

Die Kurzzeitpflege soll also eine kurzzeitige Unterbringung in einer stationären Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtung ermöglichen. So soll die Pflege gewährleistet sein, wenn diese zuhause nicht, noch nicht oder nicht vollumfänglich möglich ist.

Curas Tipp

Liegt kein Pflegegrad (2-5) vor, kann unter Umständen eine Leistung nach § 39 c (SGB V) aus der gesetzlichen Krankenversicherung beantragt werden.

Das leistet die Kurzzeitpflege

Aus der Kurzzeitpflege können jährlich bis zu 1.612 Euro für bis zu acht Wochen Dauer bezogen werden. Sollte dies nicht ausreichen, kann die gleiche Summe aus noch nicht in Anspruch genommener Verhinderungspflege beantragt werden. Die Kurzzeitpflege kann demnach maximal 3.224 Euro je Kalenderjahr betragen. Das ’normale‘ Pflegegeld aus der Pflegeversicherung wird für die Zeit des Aufenthaltes in der Pflege- oder Rehaeinrichtung nur zur Hälfte ausgezahlt. 
Aber Achtung: Wird die Verhinderungspflege auf die Kurzzeitpflege angerechnet, verfällt für dieses Kalenderjahr der Anspruch auf Verhinderungspflege in Höhe des gewährten Betrags.

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Die Kurzzeitpflege kann aber nicht nur im Fall von Albert K., der dauerhaft nicht mehr im eigenen Haushalt leben kann, in Anspruch genommen werden, sondern auch, wenn die betreffende Person
– unerwartet einen höheren Pflegebedarf hat und dieser im eigenen Heim nicht erfüllt werden kann
– durch Erkrankung der pflegenden Person nicht gepflegt werden kann
– langfristig in eine stationäre Einrichtung aufgenommen werden muss, aber noch kein Zimmer verfügbar ist
– für bestimmte Zeit wegen eines Unfalls oder einer Krankheit nicht alleine im eigenen Haushalt leben kann
– für bestimmte Zeit wegen eines Unfalls oder einer Krankheit noch nicht zuhause gepflegt werden kann
Und auch für das „Testwohnen“ in einer stationären Einrichtung kann die Kurzzeitpflege genutzt werden.

Doch kommen wir zurück zu Albert K. 

Der Senior hat mithilfe der Kurzzeitpflege die letzten Wochen in einem Pflegeheim verbracht und sich dort ein wenig erholen können. Allerdings nicht so weit, als dass er wieder zurück in sein Häuschen an der Nordsee könnte. Nach langen Gesprächen mit seinem Sohn und dessen Familie hat sich Albert schweren Herzens dazu entschieden, nach Bayern in die Nähe des Sohnes zu ziehen. Ein Platz in einem Seniorenheim wurde in der Zwischenzeit auch gefunden. Seine persönlichen Gegenstände sind schon vor Ort. Jetzt steht sein Umzug in das ’neues Heim an. 
Da Albert aber nicht so lange sitzen kann, muss er einen Liegendtransport nutzen, um von Nord- nach Süddeutschland zu gelangen. Dafür muss eine ärztliche Verordnung für diesen Transport ausgestellt und bei der Krankenkasse zur Genehmigung vorgelegt werden. Erst dann kann Albert sich auf den Weg nach Bayern machen. 

Curas Zusammenfassung

Unfall oder schwere Erkrankung stellen die Betroffenen vor immense Belastungen. Aber die Kurzzeitpflege hilft, zumindest der finanziellen Seite ein wenig von ihrem Schrecken zu nehmen.