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Pflegegrad

- Die 5 Pflegestufen -

Über die Pflegekasse, ein eigenständiger Zweig der Sozialversicherung in Deutschland, die bei den Krankenkassen angesiedelt ist, sind die Versicherten abgesichert. Bis Ende 2016 wurden Personen, die in ihrer Selbständigkeit und Alltagskompetenz beeinträchtigt waren, in drei sogenannte Pflegestufen eingeordnet. Im Fall einer „erheblich eingeschränkten Alltagskompetenz“, befundet durch den MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen), wurde auch die Pflegestufe 0 vergeben. Dies betraf in erster Linie an Demenz Erkrankte im frühen Stadium. Nach Beantragung bei der Pflegekasse konnten so einige Pflegeleistungen in Anspruch genommen werden. 

Zum 01.01.2017 wurden die Pflegestufen durch die Pflegegrade ersetzt. Um auch eine Demenzerkrankung oder psychische Erkrankungen besser einordnen zu können, wurden diese Pflegegrade auf 5 Kategorien erweitert. 

Pflegebedürftige erhalten nach der Schwere der Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten einen Grad der Pflegebedürftigkeit (Pflegegrad). Der Pflegegrad wird mit Hilfe eines pflegefachlich begründeten Begutachtungsinstruments ermittelt.

So erhalten sie einen Pflegegrad

Im ersten Schritt müssen sie oder ein Stellvertreter einen entsprechenden Antrag bei der zuständigen Pflegekasse stellen. Das ist meist sehr einfach, indem sie telefonisch oder online einen Antrag anfordern und diesen nach Erhalt gewissenhaft ausfüllen sowie eventuell vorhandene Befunde und Arztberichte einreichen.

Nach Eingang bei der Pflegekasse muss diese innerhalb von 14 Tagen einen Beratungstermin ermöglichen sowie spätestens nach 25 Arbeitstagen über den Antrag entschieden haben. In dringenden Fällen muss sogar innerhalb einer Woche eine Entscheidung fallen.

Curas Tipp

Benötigt die Pflegekasse länger als 25 Arbeitstage, steht ihnen pro angefangener Woche eine Entschädigung in Höhe von 70 Euro pro Woche zu. Bitte informieren sie sich über eventuelle Änderungen wegen der Corona-Pandemie.

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Innerhalb der genannten Fristen erfolgt in aller Regel eine persönliche Begutachtung durch den MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) oder bei Privatpatienten durch die MEDICPROOF GmbH. Diese findet in den Räumlichkeiten der antragstellenden Person statt. Also bei ihnen daheim oder im Pflegeheim bzw. Krankenhaus. Dabei werden folgende Kriterien bewertet: 

– Mobilität
– Kognitive sowie kommunikative Fähigkeiten
– Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
– Selbstversorgung
– Umgang mit therapiebedingten Belastungen
– Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakt

Im Grunde gehören noch Außerhäusliche Aktivitäten und Haushaltsführung zur Begutachtung. Diese fließen aber nicht in die Begutachtung ein und sollen eher informativer und ergänzender Art sein.

Grundsatz: Die Begutachtung orientiert sich dabei immer an der Selbstständigkeit und den (noch) vorhandenen Fähigkeiten der begutachteten Person. 

Doch wer kann eigentlich einen Antrag auf Pflegegrad stellen?

Nun, der landläufige Glaube, dass man alt und ans Bett gefesselt sein muss, stimmt nicht. Denn nicht nur alte und pflegedürftige Menschen können einen Pflegegrad bekommen. Auch Jüngere können Anspruch haben. Person, die beispielsweise an Krebs erkrankt sind, unter Multiple Sklerose leiden oder eine schwere psychische Erkrankung haben, können sehr wohl in einen Pflegegrad eingestuft werden. Ein Versuch kann sich also lohnen, auch wenn sie jünger sind. 

Curas Tipp

Sie haben innerhalb von 14 Tagen nach Antragstellung Anspruch auf eine Pflegeberatung. Dies kann auch eine freiberufliche Beratungskraft sein, deren Einsatz mit der Pflegekasse abgerechnet werden kann.

Der MDK bzw. MEDCPROOF verteilt während der Begutachtung in den einzelnen sechs Rubriken Punkte je nach Beeinträchtigung. Diese Punkte ergeben am Ende aufsummiert eine Punktzahl, aus der der zu vergebene Pflegegrad ermittelt wird. 

Einschränkung der Selbständigkeit

Geringe Beeinträchtigung

Erhebliche Beeinträchtigung

Schwere Beeinträchtigung

Schwerste Beeinträchtigung

Schwerste Beeinträchtigung
mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung

Punktzahl

12,5 – <27

27 – <47,5

47,5 – <70

70 – <90

90 – 100

Pflegegrad

1

2

3

4

5

pflegegrad_widerspruch_250x250

Selbstverständlich können sie nach Eingang des Bescheides über den Pflegegrad Widerspruch einlegen, sollte sie anderer Meinung zum Pflegegutachten sein. 

Wieviel Pflegegeld bekomme ich?

PflegeleistungPflegegrad 1Pflegegrad 2Pflegegrad 3Pflegegrad 4Pflegegrad 5
monatliches Pflegegeld316545728901
Pflegesachleistung ab 2022 (bis 31.12.2021)724 (689)1.363 (1.298)1.693 (1.612)2.095 (1.995)
Tages- und Nachtpflege ab 2022 (bis 31.12.2021)724 (689)1.363 (1.298)1.693 (1.612)2.095 (1.995)
jährliche Kurzzeitpflege ab 2022 (bis 31.12.2021)1.774 (1.612)1.774 (1.612)1.774 (1.612)1.774 (1.612)
jährliche Verhinderungspflege
ab 2022 (bis 31.12.2021)
1.774 (1.612)1.774 (1.612)1.774 (1.612)1.774 (1.612)
Pflege vollstationär7701.2621.7752.005
Stand: November 2021     

Ergänzend zu den oben genannten Leistungen erhalten alle Pflegegrade (1-5) folgende monatlichen Zahlungen:

– Betreuungs- und Entlastungsleistungen 125 Euro 
– Pflegehilfsmittel bis zu 60 Euro
– Hausnotruf 23 Euro
sowie einen einmaligen Zuschuss für eine Wohnraumanpassung (z.B. Einbau eines altengerechten Bades) in Höhe von 4.000 Euro je erforderlicher Maßnahme.