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Krankenkasse verweigert Leistung

- 5 Urteile rund um die Pflege

 – So haben die Gerichte entschieden, wenn es darum ging, dass die gesetzlichen Krankenkassen den Versicherten die Leistung verweigerten. Lesen sie hier einige Urteile deutscher Gerichte zu fragwürdigen Entscheidungen der gesetzlichen Krankenkasse.

Muss die Krankenkasse eine Echthaarperücke bezahlen?

Ja. Muss sie.
Eine Klägerin litt unter Totalverlust des Kopfhaars. Die so genannte Alopezia totalis verursachte einen dauerhaften Haarverlust, auf Grund dessen der Frau eine Perücke zustand. Ihre Krankenkasse weigerte sich, eine Echthaarperücke zu bezahlen, weil eine Kunsthaarperücke wesentlich kostengünstiger sei. Das Sozialgericht Dresden entschied im Februar 2021, dass die Krankenkasse der Versicherten eine Echthaarperücke zu bezahlen haben, weil diese mehr als doppelt so lange haltbar. Dies sei aus wirtschaftlichen Gründen erforderlich.

Az: S 18 KR 304/18, Sozialgericht Dresden

Muss die Krankenkasse ein GPS Gerät bezahlen?

Ja. Muss sie. 
Und zwar im folgenden Fall:
Ein junger Mann mit Down Syndrom neigte dazu, aus der Einrichtung, in der untergebracht war, fortzulaufen. Daher verordnete der Arzt des Mannes ein GPS-Gerät, das am Handgelenk getragen wird. 
Die zuständige Krankenkasse verweigerte die Annahme des Antrags auf Kostenerstattung mit der Begründung, dass der Versicherte einzuschließen und lückenlos zu überwachen sei. 

Das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen war da anderer Meinung und gab dem Kläger recht. Der Handgelenksender erlaube dem jungen Mann Teilhabe am normalen Leben und sei daher von der Krankenkasse zu erstatten.


Az: L 16 KR 182/18 Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen

Fahrt im Rettungswagen zum ambulanten Notdienst

Für eine medizinisch erforderliche Fahrt muss die Krankenkasse die Kosten übernehmen. 

Der Fall:
Ein Diabetiker bemerkte, dass sein Blutzuckerspiegel außer Kontrolle lief und forderte berechtigterweise einen Rettungswagen an. Dieser brachte den Patienten in eine nahegelegene ambulante Notfallpraxis, in der dieser erst versorgt wurde. Im Anschluss wurde er ins Krankenhaus gebracht. Nachdem sein Blutzuckerspiegel wieder im Normbereich war, wurde der Mann entlassen. Die Krankenkasse verweigerte die Kostenübernahme, weil der Transport nicht direkt in die Notaufnahme des Krankenhauses erfolgte. 

Mit Aktenzeichen S 5KR 460/1 urteilte das Sozialgericht Detmold zu Gunsten des Klägers. Die Krankenkasse muss die Transportkosten übernehmen.

Krankenkasse verweigert Lesitung, wenn die Kasse nicht zahlt, Urteil, Gerichtsurteil Krankenkasse

Muss eine Senioren WG die Pflege ihrer Mitglieder übernehmen?

Nein. Muss sie nicht. 
Im vorliegenden Fall beantragte ein Versicherter, der in einer Senioren WG lebte, medizinische Behandlungspflege (Medikamentengabe, An-/Ausziehen von Kompressionsstrümpfen, Wundversorgung etc.). Die Krankenkasse verweigerte die Genehmigung mit der Begründung, dass diese Tätigkeiten auch von Laien aus der WG zu erledigen sei. Es gäbe in dieser Wohngemeinschaft sicher noch andere Helfer, die diese Aufgabe noch zusätzlich erfüllen könnten.

Das bayerische Landessozialgericht sah das anders und entschied, dass diese Leistungen ein Pflicht der Krankenkassen sind. Es sei denn, es läge eine vertragliche Verpflichtung der WG zur gegenseitigen Hilfestellung vor. 

Folgende Az: L 5 KR 402/19, L 5 KR 403/19, L 5 KR 404/19, Bayerisches Landessozialgericht

Curas Tipp

Sind sie unzufrieden mit ihrer Krankenkasse? Keine Lust mehr auf Schikane, Unfreundlichkeit und endlose Bearbeitungszeiten? Wechseln sie doch einfach ihre Krankenkasse. es ist ganz einfach und tut auch gar nicht weh.

Anspruch auf ein Handbike für einen Querschnittsgelähmten?

Ja. Ein Querschnittsgelähmter kann Anspruch auf ein Handbike haben.

Ein Versicherter klagte, weil die Krankenkasse ihm die Kostenübernahme für ein über 8.000 Euro teures Handbike verweigerte. Unter einem Handbike versteht man eine elektrische ‚Ziehhilfe‘, mit deren Unterstützung es ermöglicht wird, hohe Bordsteinkanten und starke Anstiege mit dem regulären Rollstuhl zu meistern. Zudem unterstützen diese Hilfe die Stärkung der Schultermuskulatur. Im vorliegenden Fall verweigerte die Krankenkasse die Kostenübernahme mit Hinweis auf die Übernahme der Kosten für einen Elektrorollstuhl für etwa 5.000 Euro. 
Da der Versicherte aber für das Umsetzen in den Elektrorollstuhl Hilfe benötigte, entschied das Gericht, dass die Krankenkasse das Handbike bezahlen muss. Um dem Versicherten die Teilnahme am öffentlichen Leben zu ermöglichen, müsse die Kasse auch einmal mehr als die so genannte Regel-Leistung erbringen. 

Az: L 1 KR 65/20 Hessisches Landessozialgericht

Hat die Krankenkasse ihnen Leistungen verweigert?

Dann freuen wir uns, wenn sie das Erlebte mit unseren Leserinnen und Lesern teilen. Senden sie uns eine Nachricht und wir prüfen eine Veröffentlichung ihrer Geschichte unter ‚Das starke Stück‘.


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