Achtsamkeit

01.03.2019 12:57

Was ist Achtsamkeit?


Haben Sie nicht auch schon einmal eine Tafel Schokolade geöffnet, um ein oder zwei Stückchen davon zu essen? Und ist es Ihnen nicht ebenso passiert, dass die Tafel plötzlich aufgegessen war?

So oder so ähnlich leben die meisten Menschen heute. Wir sind oft so sehr in Gedanken versunken, dass wir nicht mitbekommen, was sich direkt vor unseren Augen abspielt. Wir leiden unter etwas, was die Fachleute als zwanghaftes Denken bezeichnen. Im Grunde ist es unsere innere hysterische Stimme, die von einem Thema zum nächsten springt. Die uns über Kleinigkeiten nachgrübeln lässt. Immer mit der bangen Frage nach dem, was schiefgehen kann. Wir stellen Vergleiche an, kritisieren und beklagen uns. Die meisten von uns sind Geiseln ihrer gedanklichen Launen geworden. So dass wir letztlich glauben, die Gedanken zu sein. Was aber nicht stimmen kann, denn wir sind das Bewusstsein, das hinter diesen Gedanken steht. Wir erschaffen diese Gedanken.

Treten wir bewusst einen Schritt zurück und beobachten unsere Gedanken. Betrachten wir sie mit Abstand zu ihnen. Wir werden schnell eine neue Bewusstseinsstufe erlangen, die über unsere Gedanken hinausgeht. Wir verbinden uns somit erneut mit unserem wahren Selbst, dem unendlichen Teil, der jenseits der flüchtigen, unbeständigen körperlichen Dimension liegt.

Probieren Sie es aus. Werden Sie sich Ihrer Hände bewusst. Sie sind mehr als nur reine Werkzeuge. Sie sind ein Teil von Ihnen. Fühlen Sie die Wärme, die von ihnen ausgeht? Versuchen Sie, sich auf alle sinnlichen Wahrnehmungen in Ihren Händen zu konzentrieren. Spüren Sie, wie das Blut in ihnen zirkuliert? Werden Sie eins mit Ihren Händen. Können Sie das kribbelnde Gefühl spüren, das aufkommt, wenn Sie sich ihrer komplett bewusst werden?

Sind Ihre Gedanken nun ein wenig ruhiger geworden? Ist Ihnen das aufgefallen? Sie lebten die paar Augenblicke im Hier und Jetzt, weil sich Ihre Aufmerksamkeit ausschließlich auf Ihren Körper konzentrierte.

Unsere Erfahrungen zeigen, dass wir mehr als die Hälfte unserer Zeit in unseren Köpfen, also mit Denken, verbringen. Während dieser Gelegenheiten befinden wir uns in einem Zustand der Unachtsamkeit. Wir werden von unseren Gedanken nahezu verzehrt, weil wir ständig grübeln, Vergangenes ein ums andere Mal durchspielen und uns unentwegt Sorgen wegen unserer Zukunft machen.Aber meinen Sie nicht auch, dass der gegenwärtige Augenblick unser wertvollstes Gut ist, das wir jedoch immer wieder durch unser dauerndes Denken vernebeln? Viele Menschen gehen Ihr gesamtes Leben wie durch Nebel, weil sie sich zu intensiv mit Ihren Gedanken befassen.

Können Sie sich vorstellen, dass die Achtsamkeit Ihr eigenes Ich vollständig in die innere und äußere Erfahrung des jetzigen Augenblicks eintauchen lässt? Beherzigen Sie doch einfach einmal die folgenden kleinen Tipps, um etwas mehr Achtsamkeit in Ihr Leben zu bringen.

Achtsamkeit in banale Tätigkeiten einbringen


Wie oft am Tag starten Sie Ihren „Autopiloten“? Wie oft denken Sie nicht darüber nach, was Sie soeben tun? Beim Händewaschen oder beim Hausputz, selbst beim Autofahren tun wir viele Dinge vollkommen automatisiert. Wir denken nicht mehr darüber nach, was wir eigentlich gerade tun.

Spaziergänge machen


So banal wie es klingt, ist es auch. Machen Sie einen Spaziergang durch Wiesen und Wälder. Schöpfen Sie dabei Kraft und Kreativität aus dem Wunder, das Sie im Augenblick erleben dürfen.

Spiritisten würden sagen, dass es das Ziel sein sollte, so zu gehen, als würde man die Erde mit den Füßen küssen. Spazier-gänge sind darüber hinaus eine aerobe Art der Bewegung, die erwiesenermaßen die Stimmung verbessert sowie Kreativität und Aufmerksamkeit fördert. Einige Studien beweisen sogar, dass kurze Spaziergänge bei leichten Depressionen genauso wirksam sein können, wie ein Antidepressivum, da dabei Glückshormone freigesetzt und gleichzeitig Ängste und Stress gelindert werden.

Nicht ständig auf das Smartphone schauen


Heutzutage wollen wir immer auf dem Laufenden sein. Ständig müssen wir über Alles und Jeden informiert sein. Und das möglichst „real time“ – also: „sofort“. Das dabei ausgeschüttete Dopamin, übrigens im Volksmund auch als Glückshormon bezeichnet, bewirkt, dass wir wieder und wieder auf das Smartphone schauen.

Achtsame Menschen, wissen, wann sie auf ihr Smartphone schauen müssen. Sie wissen aber auch, wann sie es besser wegstecken. Nämlich insbesondere in Gesellschaft anderer Personen. Wenn Sie mit Anderen Kommunizieren oder interagieren.

Präsenz in Beziehungen zeigen


Ihre Familie ist Ihnen wichtig? Sicher wird Ihnen die Familie wichtig. Aber warum nach Feierabend zwar zuhause und dennoch nicht bei den Menschen, die für sie wichtig sind? Man ist zwar körperlich anwesend, geistig und emotional aber weit weg. Wie soll man aber eine Beziehung aufbauen und pflegen, wenn man in Ge-danken weit weg ist? Probieren Sie es aus. Nehmen Sie die Zeit mit Ihrer Familie oder den Menschen, die Ihnen etwas bedeuten, ganz bewusst wahr. Leben Sie den Augenblick mit Ihren Lieben und Sie werden sehen, dass ein Moment kompletter Anwesenheit mehr bedeutet, als die vielen Stunden im Job vorher. Testen Sie es aus. Das Geschenk der ungeteilten Aufmerksamkeit. Es gibt kaum ein besseres.

Achtsam zuhören


Wie hören Sie zu? Gehören Sie vielleicht zu den wenigen Menschen, die die besondere Gabe besitzen, gut zuhören zu können? Oder nehmen Sie einfach nur die Worte wahr, bilden sich ein Urteil über das Gesagte und überlegen in der nächsten Sekunde, was Sie als Nächstes sagen sollen?

Echtes Zuhören bedeutet aber mehr, als nur den Klang der Stimme und der Worte zu vernehmen. Vielmehr ist echtes Zuhören die Anwesenheit beim Gegenüber. So zuzuhören, als sei das soeben Ausgesprochene das Wichtigste überhaupt auf der Welt. Sie werden spüren, dass wenn Sie aufmerksam zuhören, eine tiefe Ruhe in Ihre Beziehungen einkehren und dieselbe viel intensiver werden wird. Ganze Berufsgruppen, die der Psychologen und Psychoanalytiker, verdienen ihren Lebensunterhalt mit dem Zuhören. Sie sind einfach nur gut darin, Ihren Patienten zuzuhören und deren Sorgen, Ängste und alles, was aus der Vergangenheit existiert, auf sich zu nehmen.

Sie sehen, es ist doch gar nicht so schwer, achtsam zu sein. Oder?